TOPSIM – Manufacturing Management für Nicht-BWLer an der HSHL

Online seminar

Die Stadt Hamm wurde im Spätsommer durch eine besonders starke Welle des Corona-Virus überrollt. Eine größtmögliche Umstellung der Lehre auf Online-Formate war daher auch an der Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL) notwendig. Aufgrund dessen hat Prof. Dr. Johanna Moebus das Konzept ihres Planspielseminars in die Online-Lehre überführt.

Seit einigen Jahren setzt Prof. Dr. Moebus TOPSIM – Manufacturing Management in ihrer Lehre ein. Und auch dieses Jahr nahmen die Studierenden des siebten Semesters des Bachelors Umweltmonitoring und Forensische Chemie am Planspielseminar teil. Normalerweise würde man in einem dreitägigen Blockformat spielen. Das war auch bis 2 Wochen vor Veranstaltungsstart mit Hilfe eines speziellen Hygienekonzepts in diesem Jahr geplant – doch das schnell ansteigende Infektionsgeschehen in Hamm warf alle bestehenden Konzepte über Bord.

Im letzten Semester steht nur noch das Modul „Wirtschaft und Recht“ und die Bachelorarbeit an. BWL ist in dem ingenieurwissenschaftlichen Studiengang lediglich ein Nebenfach. Da die Studierenden sonst so gut wie keine Erfahrung damit haben, bekamen sie eine Einführungsveranstaltung, die mit drei Semesterwochenstunden alle Basics der Betriebswirtschaftslehre aufgreift. Das bereitete die Studierenden einerseits inhaltlich auf das Planspiel vor, andererseits gab bereits diese Woche Einblick in das Online-Format des kommenden Seminars. Danach folgte das Planspiel als praktische Lernerfahrung.

Mehrere Märkte parallel aktiv

In drei Gruppen spielten jeweils 17 – 25 Studierende. Das ergab fünf Unternehmen pro Markt mit einer Gruppengröße von drei bis fünf Personen. Das Online-Seminar wurde live durchgeführt und hielt sich an die Agenda des Präsenzformats. Da die Studierenden deutschlandweit verteilt waren, war diese Lösung auch die praktischste.

Mit Moodle und dem Tool Big Blue Button konnten Frau Moebus und ihr wissenschaftlicher Mitarbeiter Jan Spieckerhoff als Seminarleitung virtuelle Teamräume und einen Plenarraum konfigurieren. Jedes Unternehmen hatte einen eigenen Raum mit allen Rechten, um technisch unabhängig arbeiten zu können. Die Seminarleitung ging dann – wie im Präsenzformat – von Raum zu Raum, um bei den Teams vorbeizuschauen. Die Auswertungen fanden dann gemeinsam im Plenum statt, in der Frau Moebus mit PowerPoint als digitales Whiteboard oder der Compact View der TOPSIM – Cloud arbeitete.

Manufacturing Management Hochschule Hamm

Festhalten am Präsenz-Format

Wie die zeitliche Agenda waren auch die Zusatzaufgaben aus dem Präsenzformat übernommen. So wurden die Gruppen mittels Breakout-Rooms in Expertengruppen eingeteilt. Außerdem fertigten sie eine Marketingkampagne für ihr Unternehmen an, inklusive Logo und Werbefilm. Trotz Corona-bedingtem Distance Learning sollten die Studierenden kreativ sein: Werbefilme müssen nicht zwingend realfilmisch mit Menschen vor der Kamera gedreht werden! Auch animierte PowerPoints funktionieren sehr gut.

Des Weiteren fertigten die Gruppen Strategiepläne und eine SWOT-Analyse für ihre Unternehmen an. Das Ende des Planspielseminars bildete die Hauptversammlung, in der die Teams wie gewohnt präsentieren mussten. Lief das virtuelle Präsentieren am Anfang noch ein wenig holprig, war es doch am Ende reibungslos. Sollte es doch einmal Probleme bei Aufgaben oder Entscheidungen innerhalb der Perioden geben, nutzten die Studierenden die Kommunikationszentrale in der Cloud. So bekam Frau Moebus direkt eine Mail mit allen wichtigen Infos.

Erfahrungswerte

Die Studierenden im siebten Semester haben genug analytische Fähigkeiten, sodass TOPSIM – Manufacturing Management trotz weniger BWL-Kenntnisse ein Planspiel mit angemessenem Anspruchs-Niveau darstellte. Der Fahrradmarkt ist für jeden gut nachvollziehbar. Auch wenn die Studierenden das Online-Format schwieriger einschätzten und auch anstrengend fanden, gab es eine steile Lernkurve der Spielerinnen und Spieler. Außerdem machte das Planspiel auch Spaß! Um die Motivation zusätzlich zu steigern, erfolgte eine Bewertung des Seminars. Die Teams bekamen ihre Note als Gruppenleistung, die sich zu einem kleinen Teil aus dem Aktienkurs und zum großen Teil aus den schriftlich abgegebenen Zusatzaufgaben zusammensetzte.

Professorin Moebus ist froh, an ihrer bisherigen Struktur festgehalten zu haben. Ganz wichtig sei es, den Teams ihre eigenen Räume zu geben, um sie wirklich unabhängig und ungestört arbeiten zu lassen. Des Weiteren ist Vorbereitung, sowohl inhaltlich als auch technisch, das A und O. So konnten kleine Schwierigkeiten schnell beseitigt und das Distance Learning ohne größere Probleme über die Bühne gebracht werden. Trotz gemeisterter Herausforderung vermisste Frau Moebus dennoch die Gruppendynamik und Emotionen der Studierenden. Wo im Präsenzseminar „Freud und Leid“ bei den Auswertungen direkt herausgerufen wurden, traute sich im Online-Format so gut wie niemand, sein Mikro anzuschalten und zu jubeln.

Trotz der recht spontanen Umgestaltung des Seminars in ein remote Konzept freuen wir uns über diesen positiven Erfahrungsbericht. Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Moebus und sind gespannt auf zukünftige Planspieleinsätze!